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01.04.2012

 

Vorderladerschützen

   

Vorderladerschießen, ein Hobby zwischen Nostalgie und Sport

 

Das Schießen mit Vorderladern ist wohl die ursprünglichste Art des Schießens mit Feuerwaffen überhaupt, deren Ursprung bereits Anfang des 14. Jahrhunderts gelegt

wurde. Die Entdeckung des Schwarzpulvers und die Geschichte der Feuerwaffen können nicht voneinander getrennt werden. Die landläufige Meinung, das Schwarzpulver

sei von dem Mönch Bertold Schwarz entdeckt worden, gehört eher ins Reich der Fabeln: Schwarzpulver ist uralt, viel älter als Feuerwaffen, und soll bereits vor Christi

Geburt in China erfunden worden sein. Sein Name stammt daher wohl eher von der typischen Farbe, die sich aus der Zusammensetzung der 3 Komponenten ergibt:

(Kali-)Salpeter (75%), Holzkohle (15%) und Schwefel (10%).

Besonders interessant ist, dass von den diversen Zünd- und Schlosssystemen die Steinschloss-Ära, mit etwa 350 Jahren einen ungeschlagenen Rekord hält. Dieser wird

auch angesichts der modernen Entwicklung von Laserwaffen nicht von Halb- und Vollautomaten gebrochen werden.

Auch heute, im 21. Jahrhundert, wird noch mit Vorderladern geschossen, und zwar sportlich (z.B. im Deutsche Schützenbund "DSB"), aber auch jagdlich (z.B. in Amerika

gibt es eine gesonderte Jagdsaison für Vorderlader). Dieser Artikel befasst sich näher mit der sportlichen Seite des Vorderladerschießens.

Das Laden der Vorderladerwaffen erfolgt - wie der Name schon sagt - von vorne durch den Lauf (Ausnahme: Revolver). Zunächst wird die Schwarzpulverladung eingefüllt.

Anschließend wird die Kugel oder das Geschoß in den Lauf geschoben. Beim heutigen sportlichen Schießen kommen 2 Zündsystem zum Einsatz, Steinschloß- und

Perkussionszündung.

  • Zunächst sind da die Steinschlosswaffen, bei denen die Zündung des Schwarzpulvers durch einen Funken erfolgt, welcher durch einen feinen glühenden Metallspan erfolgt, der durch Reibung eines Feuersteins über eine Metallscheibe erzeugt wird. Dazu wird ein Feuerstein, der im Schlaghahn befestigt ist, über eine metallene
  • Schlagfläche abgeschlagen. Der dabei entstehende heiße Metallspan zündet zunächst eine lose Zündladung, die mit einer zeitlichen Verzögerung, über einen Zündkanal, die Hauptladung im Lauf entzündet.
  • Im Gegensatz zur Funkenzündung gibt es noch die Perkussionszündung. Hier erfolgt die Zündung mittels eines schlagempfindlichen Zündhütchens, welches mit Kaliumchlorat oder Knallquecksilber gefüllt ist. Wenn nun der Hahn auf dieses Zündhütchen trifft, entsteht ein heißer Strahl, der ebenfalls über einen Zündkanal die Hauptladung im Lauf entzündet.

Aus der Beschreibung kann man unschwer entnehmen, dass die Steinschlosszündung deutliche Nachteile in der Zündzuverlässigkeit und Zündgeschwindigkeit gegenüber

der Perkussionszündung aufweist (bei schlechtem Wetter viel früher der Krieg aus). Die Perkussionszündung hat sich bei der "Befriedung" des amerikanischen Kontinents

als äußerst zuverlässig erwiesen. Mit einem Perkussionsrevolver standen dem Schützen in der Pionierzeit sagenhafte 6 Schuss - ohne nachzuladen - zur Verfügung. Die

Besonderheit beim Perkussionsrevolver ist, wie oben bereits angedeutet, dass hierbei nicht das Schwarzpulver von vorne durch den Lauf geladen wird, sondern in eine

Trommel, die sich hinter dem Lauf befindet. Was die wenigsten wissen, fast alle bekannten Revolverhelden des Wilden Westens haben mit Vorderladerrevolvern

geschossen.

Heute schießt man in der Regel mit Replicas, das sind original- und detailgetreue Nachbauten von Vorderladern. Nach dem Regelwerk des DSB darf ausschließlich mit

solchen Nachbauten von historischen Vorbildern bei den Meisterschaften geschossen werden! Originalwaffen wären auch zu kostbar und bei der heutigen Schusskadenz

einer überproportionalen Abnutzung (und damit Wertverlust) ausgesetzt.

Welche Vorraussetzungen sind notwendig um heute mit Vorderladern schießen zu können? Vorderladerwaffen sind heute meist noch frei erwerblich (einschüssige

Vorderlader, z.B. Duellpistolen und Rifles, z.B. im Kaliber .31, .36, .44, .45, .54, .58, ...), mehrschüssige Vorderlader (Revolver) sind bereits seit langem erwerbschein-

pflichtig. Anders sieht es beim Schwarzpulver aus: der Erwerb, Transport und Umgang mit Schwarzpulver unterliegt dem Sprengstoffgesetzt und bedarf einer Sonder-

erlaubnis. Diese erhält man jedoch nach einer eintägigen Schulung mit anschließender Prüfung in der Regel ohne größere Probleme. Von amtlicher Seite wird außerdem

die Zuverlässigkeit über ein polizeiliches Führungszeugnis geprüft und gewährleistet.

Was modernen Schützen die Haare zu Berge stehen lässt, ist bei Vorderladern üblich und notwendig: das Reinigen mit heißem Wasser! Wasser löst die schnell

verhärtenden und aggresieven Schwarzpulverrückstände am zuverlässigsten. Anschließendes Trocknen und Einölen verhindern eine Beeinträchtigungen durch Rost.

Wer einmal unverbindlich mit einem Vorderlader schießen möchte, kann dies am Besten in einem Verein tun, z.B. im Schützenverein Asendorf.

(Kontakt: Wolfgang Gevers 0171-2752562)

Wer noch keine Sprengstofferlaubnis besitzt, kann trotzdem kommen, da die Waffen von einem autorisierten Schützen geladen werden können.

Geschossen werden bei uns  folgende Vorderlader-Disziplinen: Steinschlosspistole (Distanz 25 Meter), Steinschlossgewehr (50m), Perkussionsgewehr (50m),

Perkussionspistole (25m), Perkussionsrevolver (25m).

                                                                                                                                         

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